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Im Mini Moke durchs Paradies

Reisebericht Barbados


Reggae und Dancehall Musik der 80er Jahre beschallt ganz Oistins, das in einem Schleier von Rauch und dem Geruch von gegrilltem Fisch ertrinkt. Es ist Freitagabend und der Fischmarkt ist im vollen Gange. An jeder Ecke wird getrunken, gefeiert und gegrillt. Mahi Mahi oder Dolphin, wobei letzteres nichts mit Flipper zu tun hat, sondern eine Umschreibung für Goldmakrelen ist. Dazu etwas Salat, Reis mit roten Bohnen und Makkaroni. Im Vergleich zum teuren St. Lawrence Gap ist das Essen hier gut, günstig und opulent. Vor dem beschaulichen Panorama des Miami Beach tanzen Senioren zu langsamen Rhythmen und werden dabei von Einheimischen und Touristen gleichermaßen bestaunt. Es herrscht eine ausgelassene und freundliche Stimmung.



Wir sind gerade erst gelandet. Trotz 10 Stunden Flug und knappen 24 Grad Temperaturunterschied, wollen wir uns den Fischmarkt am Freitagabend nicht entgehen lassen. Eigentlich hat er die ganze Woche geöffnet, aber nur am Freitag scheint die ganze Insel sich in Oistins im Süd-Westen von Barbados zu treffen. Das wäre nicht mal so unwahrscheinlich, denn die östlichste Insel der kleinen Antillen ist gerade mal etwas größer als Bremen. Trotz des guten Essens, der lockeren Musik und der ausgelassenen Stimmung, werden wir doch nach einiger Zeit schläfrig und nehmen den nächsten Minibus zurück nach Dover.


Der nächste Tag begrüßt uns mit herrlichem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Wir wollen die nähere Umgebung erkunden und machen uns auf zum Strand. Der Maxwell Beach, der quasi vor unserer Haustür liegt, zählt zwar nicht zu den Postkartenpanoramas der Insel, ist aber im Vergleich zu anderen karibischen Stränden durchaus traumhaft. Ein schattiges Plätzchen zwischen zwei Palmen ist schnell gefunden und wir genießen den Blick auf das türkisblaue Wasser. Die Sonne brennt erbarmungslos auf den hellen Sand und wir müssen die Augen zusammenkneifen, sobald wir die Sonnenbrillen absetzen. Orange Krebse spitzen unweit unserer Handtücher aus dem Sand und flüchten bei der kleinsten Bewegung zurück in ihre Höhlen. Wir genießen den ersten Tag am Strand.


Es bleibt mir weiterhin ein Rätsel, wie man sich nach einem faulen Tag am Strand abends fühlen kann, als wäre man einen Marathon gelaufen. Erschöpft schlendern wir den St. Lawrence Gap entlang und lassen den Tag mit ein paar Happy Hour Cocktails ausklingen.


Für die nächsten Tage haben wir uns einen kleinen Flitzer gemietet. Ein hellblauer Mini Moke, halb Strandbuggy halb Auto. Türen, Fenster und ein solides Dach sucht man bei diesem Auto vergeblich. Den Linksverkehr bin ich schon aus Mauritius gewohnt und habe somit keine all zu großen Probleme mich zur Zulassungsstelle zu befördern, um meinen Barbados Führerschein zu kaufen. Wer auf der Insel ein Auto steuern will, sollte dieses kleine ca. 3,50 Euro teure Papier mit sich führen. Als erstes Ziel haben wir uns die Traumstrände im Osten von Barbados ausgesucht. Mit unserem bunten Faltkärtchen versuchen wir den Weg ausfindig zu machen, was gar nicht so einfach ist, da es auf der gesamten Insel gefühlte zwei Verkehrsschilder gibt. Wer Ortsschilder oder Richtungsweiser wie in Deutschland erwartet, ist hier schnell aufgeschmissen. Lediglich die Freundlichkeit der Einheimischen ist ein wahrer Segen. Sobald man langsam fährt oder anhält, kommen Passanten oder andere Autofahrer und bieten ihre Dienste als Lotse an.


Nach ein paar Anläufen finden wir die Foul Bay. Ein breiter, feiner Sandstrand offenbart sich vor uns. Schäumende Wellen knallen tosend an Land. Abgesehen von ein paar Krebsen, sind wir die einzigen Besucher. Wir genießen die Einsamkeit und schießen noch ein paar Bilder, bevor wir unsere Reise zum Crane Hotel fortsetzen. Das Crane, ist eines der besten Hotels Barbados und soll zudem den schönsten Pool der Karibik besitzen. Seine Popolarität erlangte es in den 90er Jahren durch einen Raffaelo Werbespot. Vom Crane geht's weiter über die Long Bay zur Bottom Bay, die auf jeder zweiten Postkarte zu sehen ist. Die Bottom Bay ist malerisch von Klippen umschlungen, weißer Sandstrand und hohe Palmen thronen vor dem türkisblauen Wasser. Nur wenige Touristen und Einheimische verirren sich hierher. Wir parken unseren Mini Moke und spazieren auf den Klippen um den Traumstrand. Bisher wurde hier noch kein Hotel gebaut und man kann nur hoffen, dass dies so bleibt.



Wir verlassen die Ostküste und fahren über die Hauptstadt Bridgetown an die Westküste. Natürlich nicht ohne uns ordentlich zu verfahren. Im Westen ist das Wasser ruhig und gleicht einer Badewanne, während im Osten mit unter rauer Seegang herrscht. Wir fahren die Westküste entlang bis zum nördlichsten Punkt der Insel, dem Animal Flower Cave. Nachdem wir dreimal an der Abzweigung vorbeigefahren sind, hält uns kurzerhand ein Einheimischer an und fragt uns was wir denn suchen. Er versucht gar nicht lang uns den Weg zu erklären, sondern sagt, dass er sowieso in die Stadt müsse und dann eben den Bus von dort nehmen würde. Schnell verabschiedet er sich von Frau und Kind schwingt sich auf den Rücksitz und freut sich, auch endlich wie ein Tourist über das Land kutschiert zu werden. Am Cave verabschieden wir uns dankend vom ihm und gehen samt Führer hinab in die Höhle. Diese ist nur bei niedrigem Wellengang zu begutachten und ist wesentlich größer als der kleine Eingang vermuten lässt. Den Namen hat sie von den kleinen, bunten Seeblumen die, sobald man sie berührt, sich schnell schließen. Beeindruckt sehen wir uns die Blumen, die Höhlenräume und die Skulpturen an, die das Wasser über die Jahre geformt hat und freuen uns zudem über die kleine Abkühlung.


Der Nachteil des Mini Mokes sind definitiv die fehlenden Türen und Fenster. So haben wir bereits nach einem halben Tag einen verbrannten Mantafahrerarm vom feinsten. Doch es hilft alles nichts, wir müssen weiter, schließlich gibt es noch viel zu entdecken. Zum Beispiel den Farley Hill National Park, von dem aus man einen wunderbaren Blick über die Ostküste von Barbados hat. Hier findet man auch die Ruine des Anwesens, dass als Filmkulisse für den Film Island in the Sun mit Harry Belafonte diente. Leider ist es inzwischen so marode, dass es komplett eingezäunt wurde und daher etwas an Charme einbüßt. Wir setzen unseren kleinen Flitzer wieder in Gang, sammeln auf dem Weg ins Tal noch ein paar Mangos und fahren zurück zur Westküste, um den Sonnenuntergang zu genießen. Auch andere haben scheinbar diese Idee, denn der Strand ist überwiegend von einheimischen gut besucht, die nun ihren sportlichen Aktivitäten nachgehen.


Nach zwei Tagen Mini Moke, inklusive Sonnenbrand am Arm, haben wir genug von der Landerkundung und steigen um aufs Boot. Die Cool Running Cruises sind der gewählte Partner. Wir werden am Apartment abgeholt und zum Hafen nach Bridgetown gebracht. Die überaus freundliche und lustige Crew erwartet uns bereits auf einem stattlichen Katamaran. Wir machen es uns auf dem Deck bequem und werden mit Getränken und Bananenbrot empfangen. Dann geht's los. Zuerst noch mit Motor aus der Bucht, anschließend wird das Segel gehisst und wir steuern an der Westküste entlang. Den ersten Stopp machen wir, um mit wilden Schildkröten zu schwimmen. Vier Prachtexemplare inklusive einem Rochen schwimmen direkt um uns herum. Noch nie habe ich wilde Schildkröten so nahe gesehen. Nach einiger Zeit geht es zurück an Bord und wir setzen erneut Segel zum nächsten Schnorchelpunkt. Ein altes Schiffwrack liegt nur ein paar Meter unter uns. Dutzende bunte Fische schwimmen neben, hinter und vor uns. Man muss nur den Arm ausstrecken und zugreifen. Lila schimmernde Blumen und Korallen haben sich am Riff angesiedelt und wir können es aus nächster Nähe betrachten. Nach dem ausgiebigen Schnorcheln fahren wir in eine ruhige Bucht am Sandy Lane Hotel, das zu den zehn besten Hotels der Welt zählt. Das Buffet wird aufgetischt und Wein ausgeschenkt. Das schwimmen hat hungrig gemacht. Wir verweilen noch etwas in der Bucht, schwimmen und planschen bis wir gegen Mittag zur Rückfahrt aufbrechen. Der Katamaran nimmt gut an fahrt auf und wir fliegen, zu Reggae Musik und Rum Punsch, förmlich über die Wellen. Nur schweren Herzens gehen wir von Bord und bedanken uns für den herrlichen Tag, den wir leider nicht ganz ohne Sonnenbrand überstanden haben. Zurück in Dover holen wir uns etwas Aloe Vera und reiben uns damit die leicht geröteten Stellen ein, in der Hoffnung, morgen nicht so auszusehen, wie unsere kleinen, bunten Krebse am Strand.


Je länger man auf Barbados ist, desto schneller verfliegen die Tage und auch wir müssen bald wieder zurück in die kalte Heimat. Selten haben wir soviel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt wie auf Barbados. Die Insel hat den höchsten Lebensstandard der Karibik und ist somit zwar nicht das günstigste Fleckchen Erde, wer aber auf Hotelburgen und Luxusrestaurants verzichten kann, kommt auch hier nicht teurer weg, als in jedem europäischen Urlaubsland.


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