Rucksack Guerilla
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Inszenierter Karibik-Flair

Reisebericht Dominikanische Republik, Karibik


Ja ich gebe es zu. Auch ich habe schon den ein oder anderen Pauschalurlaub hinter mir. Das erste Mal war 2002 in einem 3 Sterne Hotel in der Türkei. 14 Tage All Inklusiv und Animation Nonstop. Danach war ich traumatisiert und habe mir geschworen nie, wirklich nie wieder eine Pauschalreise anzutreten. Das war die Geburtsstunde von Rucksack Guerilla. 2011 bin ich rückfällig geworden. Ich musste einfach mal wieder weg  und so abgeschafft und ausgebrannt wie ich zu der Zeit war, habe ich kurzerhand ein paar Tage Dominikanische Republik all in gebucht.



Flug, Transport, Hotel für alles ist gesorgt. Entspannt setzen wir uns in das von Condor bereitgestellte Flugzeug und freuen uns auf Palmen, Sonne und Strand. Wenn da nicht die zehn Stunden Flug wären. Ich liebe es zu reisen und habe auch keine Angst vor dem Fliegen, aber zehn Stunden in einem engen, unbequemen Flugzeug, ohne ein wirkliches Entertainmentprogramm, sind nicht gerade ein Traum. Schon beim Essen, das leider etwas spärlich ausfällt, bewegt mich nur noch eine Frage. Senkt Methan den Spritverbrauch? Gas steigt ja bekanntlich nach oben und mit genug Methan könnte der Flieger ja quasi problemlos schweben. Ich kann keine andere Erklärung finden, wieso man nach gerade zwei Stunden auf einem Langstreckenflug, so etwas wie Krautsalat servieren kann? Der Rest ist leider auch nicht viel ansprechender. Eine lieblos zermatschte Gemüselasagne verbirgt sich unter dem brennend heißen Alufoliendeckel meines überschaubaren Mahles. Dazu jener bereits erwähnte Krautsalat und ein eiskaltes, stahlhartes Mini-Laugenbrötchen. Ich packe den Bergspitzkäse aus und will ihn mit meinem kleinen Plastikmesser in Mini-Brötchen gerechte Happen schneiden. Es klappt nicht, der Bergspitzkäse weiß sich zu wehren. Seine zähe und kalte Konsistenz machen ihn zu einem widerspenstigen Gummidreieck. Mit aller Wucht drücke ich das Plastikmesser in die Masse, sodass der Klapptisch immer weiter in sich zusammen klappt und der Bergspitzkäse sich trotz aller Gegenwehr unbeugsam gegen mich stellt. Nur langsam bohren sich die Plastikzähne des Messers in den Käse und bevor ich reagieren kann springt das erste Stück Bergspitzkäse in Richtung Stewardess. Diese ist noch immer dabei Getränke auszuschenken und bemerkt meine Attacke aus dem Hinterhalt glücklicherweise gar nicht.


Zehn Stunden später setzen wir endlich in Punta Cana zur Landung an. Es ist bereits Nacht aber immer noch herrlich warm. Froh endlich der Enge des Fliegers entkommen zu sein, werden wir erst mal in einen alten Bus getrieben und müssen unsere Reiseunterlagen vorzeigen. Eine knappe Dreiviertelstunde dauert die Fahrt, bis wir am ersten Hotel anhalten. Eine riesige Anlage mit 18 Loch Golfplatz und jeder Menge Security. Das ist auch schon unser Hotel. Wir verabschieden uns von den anderen Mitreisenden und checken ein.


Ein 5-Sterne-Hotel, das so viel Annehmlichkeit bietet wie feuchte Toilettentücher auf Bahnhofsklos. Versteht mich nicht falsch, es ist sauber und mit dem adretten Charme der frühen 90er Jahre eingerichtet, aber irgendwie fehlt einem doch etwas Glamour. Dabei rüstet die Dominikanische Republik gerade auf und versucht seinen Ruf als Ballermann-Karibik-Domizil abzuschütteln. Schon der perfekt inszenierte Werbefilm im Flieger gaukelt einem ein makelloses Paradies vor. Auf den ersten Blick scheint das auch so zu sein. Der weiße Sandstrand vor dem Hotel wird mehrmals täglich gesäubert und das türkisblaue Badewannenwasser verführt einen gerade zu hineinzuspringen. Angenehme Meerenge und Salsa Rhythmen aus den Lautsprecherboxen und exotische Cocktails, wie frische Pina Coladas und Banana Mamas unterstreichen das Karibik-Feeling. Doch schaut man ein paar Meter abseits der Hotelanlagen so findet man verwahrloste Strände und verdreckte Buchten. Die meisten Urlauber verlieren sich in ihren dicken Schmökern, während sie auf ihren früh morgens reservierten Liegestühlen, gestreichelt von warmen Briesen und im Schatten kleiner pilzartiger Strohhütten liegen. Ich frage mich wer diesen Trend mit dem Handtuchreservieren wohl erfunden hat und wie lange er noch anhalten wird?



Der Abendunterhaltung im Hotel ist auch wenig abzugewinnen. Alberne Shows für ein international gelangweiltes Publikum. Die nächste Stadt Punta Cana ist eine dreiviertel Stunde entfernt und eigentlich eine reine Hotelstadt ohne wirklichen Flair. Ich vermisse den Charme der Nachbarinsel Kuba. Wie konnte sich dort, abgeschieden von der Außenwelt, im Dornröschenschlaf, eine so authentische und einzigartige Kultur entwickeln? In der Dominikanischen Republik hingegen, scheint alles etwas inszeniert und surreal. Wir fühlen uns ein wenig wie mondän gehaltene Angusrinder. Statt Marke im Ohr trägt man ein lässig buntes Bändchen um's Handgelenk. Das Hotel ist die Koppel und ein entkommen scheint unmöglich. Wozu auch? Im Umkreis von 50 Kilometer gibt es nur Hotels und die geführten Touren, die alltäglich am Strand verkauft werden. Diese sind ebenso trivial, wie unspektakulär. Buggy, Quad oder Segway fahren, in den Sonnenuntergang reiten oder mit dem Katamaran an noch schönere Strände segeln. Alles zu horrenden Preisen und so abgeschottet von der Außenwelt wie möglich.


Die Dominikanische Republik macht es einem nicht ganz einfach Hinter die Kulissen zu blicken und das wahre Leben zu entdecken. Die Abhängigkeit vom Pauschaltourismus ist enorm, so sind 2011 von 3,7 Millionen Besuchern, allein 3,3 Millionen in Hotels untergekommen. Das Land lebt weitgehend vom Massentourismus und der Inszenierung vom perfekten Paradies, dabei bleibt leider das ursprüngliche Karibik-Flair etwas auf der Strecke.




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