Wir schlagen unser Basislager inmitten der Medina von Marrakesch auf, im Riad Jona. Von hier aus planen wir ein paar Abstecher in das nahegelegene Atlasgebirge und an die marokkanische Atlantikküste. Marrakesch ist unglaublich heiß. Die Luft scheint zu stehen und ist mit 41 Grad im Schatten für Mitteleuropäer deutlich zu warm. Es ist gerade mal Anfang Mai, im Sommer soll das Thermometer sogar auf über 50 Grad klettern. Wir huschen von Schatten zu Schatten und schlendern durch die schmalen Gassen der Souks. Die Souks sind ein riesiges Labyrinth aus Geschäften. Hier findet man alles was man zur perfekten Illusion aus 1001 Nacht braucht. Teppiche, Lampen, Kleidung, Gewürze, Möbel und vieles mehr. Gegen Abend kühlt es leicht ab und der Djemaa El Fna, der zentrale Marktplatz füllt sich mit Leben. Die Grills rauchen, die Schlangenbeschwörer, Trommler und Märchenerzähler wittern das große Geschäft und der Platz verwandelt sich in einen einzigen Rummel.
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Schon nach zwei Tagen in Marrakesch, sehnen wir uns nach etwas
Ruhe und Abgeschiedenheit. Der Verkehr, die Hitze und die ständigen Aufforderungen
der Verkäufer, sich doch mal den Laden anzuschauen und etwas zu kaufen,
gehen uns auf die Nerven. Wir fahren ins Ourika Tal, zu den Asgaour Wasserfällen.
Je näher man sich in Richtung Atlasgebirge durchschlägt, desto
grüner und fruchtbarer wird die Landschaft. Kühle Gebirgsbäche
bahnen sich den Weg durch die schroffe Landschaft. Einfache Brücken, aus
zusammengebundenen Stöcken, ermöglichen den Bewohnern die Bäche,
die im Frühjahr zu reißenden Flüssen anschwellen, trockenen
Fußes zu überqueren. Eine Landschaft so unglaublich, wie ein Gemälde
von Bob Ross. Leuchtende Grüntöne, zartes Rot-Braun, Nuancen von Lila,
dazu das satte Blau des Himmels.
Der Aufstieg zu den Asgaour Wasserfällen beginnt harmlos, vorbei an Shops
und Restaurants, läuft man auf schmalen Pfaden am Wasser entlang. Je dünner
die Restaurant- und Shopdichte wird, desto steiler steigt das Gelände an
und der Pfad wird zu einem Meer aus großen runden Steinen. Wir sind froh
die Flip Flops im Riad gelassen zu haben und erfreuen uns unseres festen Schuhwerks.
Nach einer knappen halben Stunde, haben wir das Becken des Wasserfalls erreicht.
Eiskaltes Wasser fällt mit gewaltiger Kraft, gute 10 Meter talwärts.
Feiner Wasserstaub liegt in der Luft und kühlt uns und die Umgebung. Was
für eine Erholung. Der Rückweg führt über einen steinigen
Gebirgspass, der einen herrlichen Ausblick auf das Atlasgebirge bietet. Erschöpft
und zufrieden fahren wir zurück nach Marrakesch.
Am nächsten Tag wollen wir an die marokkanische Atlantikküste,
in das ca. 170 km entfernte Essaouira. Der klimatisierte Supratour Bus
übernimmt die Beförderung und setzt uns nach knapp drei Stunden im
Herzen der Hafenstadt sicher ab. Auf dem Weg haben wir tatsächlich, in
den Arganplantagen, Ziegen auf Bäumen sitzen sehen. Diese klettern nicht
zur Touristenbelustigung auf Bäume, sondern um an die Früchte es Arganbaumes
zu gelangen. Die findigen Marokkaner schlagen trotzallem Profit daraus und verkaufen
das hochgelobte Arganöl mit Freuden an Touristen.
Essaouira wirkt wie ein griechisches Fischerdorf, das mal wieder einen
frischen Anstrich vertagen könnte. Was ihm aber auch einen gewissen Charme
verleiht. Die weiß blauen Fassaden der Häuser leuchten in der Mittagsonne
und es riecht nach gegrilltem Fisch. Der lange Sandstand vor den Toren der Stadt
ist gut besucht. Einheimische und Touristen versuchen gleichermaßen Abkühlung
im fechten Nass des Atlantiks zu finden. Essaouira ist gelassen, selbst die
Verkäufer sind zurückhaltender als in Marrakesch. Wir schlendern durch
die Aussteiger- und Künstlerstadt und betrachten die Gemälde und Skulpturen.
Es hat sich eine sympathische Gemeinde aus Hippies, Surfern und Künstlern
gebildet, die harmonisch koexistieren.
Mit frisch gegrilltem Fisch und einem Strandspaziergang genießen wir die
letzten Stunden in Essaouira, bevor wir um 18 Uhr den Bus zurück nach Marrakesch
nehmen.
Nach einem weiteren Tag in der Hitze von Marrakesch entschließen wir uns erneut einen Abstecher ins Atlasgebirge zu unternehmen. Gute 100 km schlängeln wir uns, auf engen Pässen, bis auf 2.260 Meter Höhe, durch das Gebirge. Ouarzazate, das Tor zur Wüste, ist unsere Destination. Bekannt wurde die Region als Kulisse für über 20 Hollywood Produktionen, darunter Gladiator, Alexander, Troya, Lawrence von Arabien, die Mumie, und viele weitere. Alle waren schon hier, von Brat Pitt bis Russel Crowe und haben in der Wüstensonne geschwitzt. Während in der Stadt Ouarzazate die großen Filmstudios stehen, hat das kleine Dorf Aït-Ben-Haddou nicht nur UNESCO Weltkulturerbe erlangt, sondern auch seinen einstigen Charme behalten. Die engverschachtelten Gebäude aus Lehm und Stroh erwecken den Eindruck, direkt in den Fels geschlagen zu sein. Ein Bollwerk aus Ecktürmen und Zinnen. Auf der Spitze ragt der einstige Wachturm, von dem man einen gigantischen Ausblick über die umliegenden Berge und Täler hat. Störche nisten auf den Turmspitzen und die Sonne brennt heiß auf uns herab. In den Lehmhütten ist es dagegen angenehm kühl. Die Isolation aus Stroh und Lehm funktioniert besser als jede Klimaanlage. Beeindruckt von der Architektur und Bauweise machen wir uns gegen Abend auf den Rückweg. Unsere Woche in Marokko ist so gut wie vorüber, doch die Eindrücke und Erfahrungen werden uns noch lange begleiten.
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